Anreisetag (Samstag, 28.05.2016)

Nach der weiten Anreise aus Leipzig parken wir die Autos in Montbard (21500 Montbard). Unsere Fahrräder stellen wir nach dieser langen Anfahrt erst einmal im Hotel ab. In Montbard, einer kleinen Stadt mit etwa 5000 Einwohnern, können wir einen ersten Eindruck unserer Reiseregion Burgund gewinnen. Der Canal de Bourgogne und der Fluss Breme fließen durch diese kleine Stadt. Der berühmte Buffon, ab 1739 Direktor des Königlichen Botanischen Gartens, lebte und starb in Montbard. Aufgrund seines kunstvollen Schaffens wurde Buffon in ganz Europa und sogar für die Anlegung der Gärten des deutschen Kaisers Joseph II beauftragt.

1. Radeltag (Sonntag, 29.05.2016)

Nach der ersten Nacht schwingen wir uns auf den Sattel in Richtung Abtei von Fontenay. Diese Abtei ist das am besten erhaltene Zisterzienserkloster Frankreichs. Im Jahre 1981 wurde es zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Mit dem Bau wurde im Jahre 1147 begonnen. Die ersten Steine wurden dabei für die Abteikirche gesetzt.
Danach fahren wir durch Alésia. Alésia kennen alle französischen Schüler. Denn dort – damals noch Gallien -  musste sich der Gallierführer Vercingétorix dem römischen Kaiser Julius Cäsar ergeben. Er legte die Waffen nieder und ermöglichte den Römern somit die Eroberung Galliens. Schließlich erreichen wir Châteauneuf-en-Auxois, einen wunderschönen Ort über dem Canal de Bourgogne. In dieser schönen, mittelalterlichen Ortschaft können wir Stadtmauern und Straßen ansehen, die zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert erbaut wurden. Châteauneuf ist zudem für sein Schloss bekannt. Der erste Schlossherr war Jean de Châteauneuf im Jahr 1175.

2. Radeltag (Montag, 30.05.2016)

Für den zweiten Tag auf dem Fahrrad machen wir uns entlang des Canal de Bourgogne in Richtung Dijon auf. Die kurvige Strecke bahnt sich ihren Weg vorbei an Kalksteinfelsen, Wiesen und Hügeln.  Wir fahren durch Pouilly-en-Auxois und sehen uns dort den Jachthafen am Kanal an. In der Nähe von Pouilly gibt es einen Ort, wo der Regen, je nachdem ob er nun hier oder drei Meter weiter fällt, in den Ärmelkanal, den Atlantik oder sogar ins Mittelmeer gelangen kann, je nachdem, ob er den Weg über die Yvonne, die Seine, die Loire, die Saône oder die Rhône genommen hat: hier befindet sich nämlich eine Wasserscheide. Wenn wir Auxois dann durchfahren haben, erreichen wir Dijon und sind somit in der Hauptstadt Burgunds: den berühmten Dijon-Senf kennen wir ja alle. Dijon trägt den Beinamen "Stadt der Kunst und Geschichte" und war einst der Wohnsitz der Herzöge der Region. Wir werden von dem imposanten Bau des Herzogenpalastes im Stadtzentrum beeindruckt sein. Der Palast umfasst mehrere Gebäude (entstanden zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert) und war Wohnsitz der Herzöge Burgunds. Seitdem das Objekt vor kurzem  renoviert wurde, befindet sich hier das Rathaus der Stadt sowie das Museum der Schönen Künste. Um die ganze Schönheit des Palastes zu erfassen, muss man sich die verschiedenen Höfe ansehen: den Cour d’Honneur, den Cour Flore und den Cour de Bar. Einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Ouche-Tal haben wir, wenn wir die 316 Stufen zur Terrasse des Palasts erklimmen (ja, zu Fuß natürlich). Dijon ist sicherlich für seinen Senf und den Palast bekannt, weniger jedoch für die kleinen Straßen und  Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Um Dijon zu Fuß oder auf dem Rad am besten kennenzulernen, braucht man nur dem ausgeschilderten Rundgang, dem "Eulenweg", zu folgen.  

 

3. Radeltag (Dienstag, 31.05.2016)

Der dritte Tag ist ein Ruhetag für all diejenigen, die eine kleine "Tour-Pause" einlegen möchten. Morgens werden wir in den Zug nach Beaune steigen. Beaune ist die Weinhauptstadt der Region und der Ort, an dem sich die bedeutendsten Weinhändler niedergelassen haben. Beaune ist aber auch eine Stadt der Kunst. Das Hôtel-Dieu aus dem Jahr 1443 beispielsweise ist ein Meisterwerk der burgundisch-flämischen Kunst und einer der größten Schätze der Stadt. Der beeindruckende Ehrenhof (Cour d’Honneur) ist eine Besichtigung wert, um die farbenprächtigen Dächer aus glasierten Ziegeln zu bestaunen. Der große Saal « Grande Salle » dieses Gebäudekomplexes war bis 1971 eine Krankenstation. Die Altstadt wird von der historischen Stadtmauer umringt. In die Stadt gelangt man über mehrere Tore, von denen das Saint-Nicolas-Tor das schönste ist. Beim Schlendern durch die Straßen kann man, wie zum Beispiel in der Rue de Lorraine, Häuser des 16. Jahrhunderts entdecken. In der Stadtmitte befindet sich der Place des Halles. In den dortigen Markthallen können alle Bewohner der Stadt Beaune ihre Einkäufe erledigen und frische, regionale Produkte kaufen. In Beaune besichtigen wir dann den letzten Familienbetrieb (seit 1940) für Senfherstellung und lassen uns dort das Handwerk zeigen, bei dem Senfkörner noch mit der Steinmühle zermahlen werden.
Rund um Beaune herum gibt es die Möglichkeit etwas sportlichere Radwege zu befahren, die zu mystischen, burgundischen Weindörfern führen: Meursault, Pommard, … Liebhaber können auch das Pommard-Schloss und seine Keller besichtigen und an einer besonderen Weinverkostung teilnehmen. Am Abend lassen wir es uns in den schönen Straßen und Weinstuben und in einem feinen Restaurant der Stadt gut gehen.

 

4. Radeltag (Mittwoch, den 01.06.2016)

Am Mittwoch steigen wir wieder auf unsere Fahrräder und machen uns auf den Weg nach Chagny, wo wir auf den Radweg « la voie verte » gelangen. Dieser Radweg ist Teil der Euroveloroute 6, die von Budapest bis Nantes geht. Nach einer Pause in Chagny fahren wir weiter nach Châlons-sur-Saône. Dort können wir die autofreie, historische Altstadt besichtigen. Wie schon in Dijon, werden wir auch hier Fachwerkhäuser sehen. Fotoamateure dürfte ein Museum zur Geschichte der Fotografie interessieren. Die Stadt Châlons ist die Geburtsstadt von Nicéphore Nièpce, dem Erfinder der Photographie. Diejenigen, die sich ausruhen möchten, können dies in einem Café auf dem Place-Saint-Vincent tun, neben dem sich gleich eine Kathedrale befindet, deren Bau im 13. Jahrhundert begonnen wurde. Ansonsten gibt es auch noch die schönen Saône-Ufer, an denen man entlang schlendern kann.

5. Radeltag (Donnerstag, 02.06.2016)

Nach einem erholsamen Schlaf machen wir uns für die längste Etappe unserer Reise auf einem ausgeschilderten Radweg bereit (ca. 50km). Wir durchfahren Givry, Buxy und Malay, kleine Städtchen mit Winzerhäusern. Auf der Weiterfahrt ist ein Halt in Cormatin ein absolutes Muss. Denn dort gibt es ein sehr sehenswertes Schloss. Es wurde vom Architekten des Königs Henri IV entworfen. Die Pracht der Fassade sowie des Schlossinneren entführt uns in das 17. Jahrhundert mit seinen kulturellen Schätzen. Die Innenarchitektur ist beeindruckend: die 23 Meter hohe Treppe ist sehr imposant  und zugleich der älteste Treppenaufgang Europas dieser Art. Das Schlafzimmer der Marquise imponiert ebenfalls und das ”Cabinets des Curiosités” ist sehr originell. Es lohnt sich auch die Schlossgärten zu besichtigen. Nach der Schlossbesichtigung geht es wieder mit dem Rad weiter, und zwar nach Cluny.

Ein weiteres eindrucksvolles Bauwerk: die Abtei von Cluny. Sie war das Symbol der einstigen Macht des Cluniazenserordens. Cluny war bis zum Wiederaufbau des Petersdoms in Rom (186 Meter Länge) im 16. Jahrhundert die längste christliche Kirche (Innenlänge von 177 Metern). Leider ist ein Großteil der Abtei nicht erhalten geblieben. Sie wurde teilweise in der Revolution verwüstet, zerstört und Stein für Stein verkauft. Die Abtei hatte ein fünfschiffiges Langhaus mit 11 Jochen, 2 Querschiffen, 5 Kirchtürmen und 300 Fenstern. Cluny ist außerdem ein besonderer Ort, weil man in dieser kleinen Studentenstadt an der Elitehochschule „École d’Ingénieurs des Arts et Métiers“ studieren kann. In Cluny werden wir dann auch übernachten.

6. Radeltag (Freitag, 03.06.2016)

An unserem letzten Tag fahren wir gen Süden in die Richtung der Stadt Mâcon mit ihrer Umgebung, dem Mâconnais. Bis dahin sind es etwa 30 km. Wir fahren auf der ”voie verte” und lassen Cluny hinter uns. Der Radweg verläuft hier auf einer ehemaligen, umgewidmeten Eisenbahntrasse und wir haben das Glück, einen 1,6 km langen Fahrradtunnel durchfahren zu dürfen. Weiter geht es dann durch das Dorf des berühmten Dichters Lamartine (1790-1869). Dort halten wir an, um unsere Blicke über das traumhafte Panorama schweifen zu lassen. Wir können von dort den Solutré-Felsen sehen, der deshalb etwas Besonderes ist, weil er zu den reichsten prähistorischen Fundorten Europas gehört. Am Fuße dieses Felsens befinden sich unzählige Knochen von Bisons, Auerochsen, Hirschen und Mammuts. Diese Knochenansammlung ist zwischen 0,5 bis 2 Meter dick.  Die Knochenmasse erstreckt sich über 4000 m² und bildet die Überreste von 100.000 Lebewesen. Mehr als 2500 Jahre lang wurde diese Stätte von unseren Vorfahren aufgesucht. Wir kommen aus nördlicher Richtung in die südlichste Stadt Burgunds, Mâcon. Der Charme der Plätze, Straßen und des Saône-Ufers wird uns sehr schönen Erinnerungen an diese Region mit auf die Heimreise geben. Auf unserem Weg werden wir das „Maison de Bois“ bewundern können, das mit Fantasiefiguren aus Holz reich verziert ist. Dann geht es am Ufer entlang über die  Saint-Laurent-Brücke, von der wir wieder einen schönen Blick auf das Ufer, die Stadt und die Türme der Vieux St. Vincent-Kathedrale haben. In Mâcon findet jedes Jahr eine international bekannte Weinmesse statt. Winzer aus ganz Frankreich stellen hier ihre besten Weine vor und hoffen, dass diese dann ausgezeichnet werden. 

Am Abreisetag (Samstag, 04.06.2016) nehmen wir den Zug von Mâcon nach Montbard zu unseren Autos und von dort geht es zurück nach Hause.